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Grußwort des Vorsitzenden des UNAPO Verwaltungsrates

Prof. Dr. med. Jürgen Wacker
Prof. Dr. Jürgen Wacker

Projektdirektor und Preisträger

Prof. Dr. med. Jürgen Wacker
ist Projektdirektor auf dem von ihm initiierten, geplanten und bis heute angeführten Projekt "Ein "Hospital für Frauen".

Für seinen unermüdlichen Einsatz für eine vorbildliche Entwicklungszusammenarbeit erhielt
er 2015 die höchste rotarische Auszeichnung weltweit, den "Service Above Self Award".

Verehrte Damen und Herren!

Bitte lassen Sie mich beginnen mit einem Zitat unseres verehrten früheren Bundespräsidenten
Horst Köhler, der einmal sagte:

 "Entwicklungspolitik ist eine Art Sozialpolitik im weltweiten Ausmaß: es geht darum, die Kluft zwischen reichen und armen Völkern zu beseitigen! Wenn uns das nicht gelingt, dann werden wir eines Tages möglicherweise eine Katastrophe erleben, dann wird es, wie Salvador de Madariaga einmal gesagt hat, zu einem sozialen Welt-Bürgerkrieg kommen müssen. [...] Wir treiben also Entwicklungspolitik nicht allein um der Menschen Willen, die in Not und Elend leben, sondern auch, um für uns und
unsere Kinder Sicherheit zu schaffen."
© DAFGG | Gesundheitszentrum Ouagadougou, Burkina Faso - Blick auf das Fortbildungszentrum
© DAFGG | Ein "Hospital für Frauen", Ouagadougou, Burkina Faso - Blick auf das Fortbildungszentrum
Diese Definition von "Entwicklungspolitik" ist tatsächlich 46 Jahre alt und tatsächlich stammt sie vom ersten Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, unserem liberalen Freund, Walter Scheel. Seine Definition von Entwicklungspolitik ist heute aber aktueller denn je - und der nationalliberale spanische Diplomat und Schriftsteller Salvador de Madariaga (1886 - 1978) sollte womöglich behalten, denken wir an die Flüchtlingsströme nie gekannten Ausmaßes, deren Ende noch gar nicht abzusehen ist. Walter Scheel, der liberale Vordenker für staatliche Programme, die die politische, wirtschaftliche und soziale Situation in Entwicklungsländern verbessern sollen, legte damit bereits im Jahr 1966 den Grundstein für die Verringerung des Entwicklungsrückstands der Entwicklungsländer zu den Industriestaaten.

Entwicklungspolitik & Entwicklunghilfe

Heute brauchen wir im Rahmen einer modernen Entwicklungspolitik eine moderne Entwicklungshilfe jenseits der Hilfsgelder! In diesem Sinne brauchen wir heute keine Entwicklungshilfe, sondern gute "Entwicklungszusammenarbeit". Eine solche Entwicklungszusammenarbeit müssen wir mit Mut, Anstand, Herz und Verstand anpacken, mit positiven Rückwirkungen auf uns, ansonsten könnte die Weltgemeinschaft zum Scheitern verurteilt sein!

Eine moderne medizinische Entwicklungshilfe ist dabei ein wichtiger Baustein einer modernen Entwicklungszusammenarbeit, denn sie bestimmt das Tempo des Entwicklungsfortschritts eines Landes. 
Ein Beleg dafür sind die Wirkungen steigender Gesundheitsausgaben, die aus volkswirtschaftlicher
Sicht tendenziell positiv sind. Die Evidenz zeigt: kurz- und mittelfristig steigen Bruttoinlandsprodukt
und Beschäftigung. Auch längerfristig erhöhen steigende Gesundheitsausgaben Wachstum und Wohlfahrt, denn Gesunde sind produktiver!

Medizinische Entwicklungshilfe

Eine erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit geht mit grundlegenden Veränderungen der politischen, ökologischen, ökonomischen, gesellschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen einher, die erhebliche Anforderungen an die physische und psychische Gesundheit der Menschen in den Entwicklungsländern stellen. Deshalb brauchen wir im Rahmen einer modernen Entwicklungszusammenarbeit eine "kultursensibele Gesundheitsförderung", aber auch weil in Burkina Faso die Gesundheitskrise ganz allgemein eine besondere Herausforderung an eine gute Entwicklungszusammenarbeit darstellt.

Für die Menschen in Entwicklungsländern ist es wichtig, gesundheitsförderliche Angebote zu schaffen, damit gesundheitsförderliche Angebote von den Menschen genutzt und sie hierüber befähigt werden, ihre Gesundheit eigenständig zu erhalten oder zu verbessern. Vor diesem Hintergrund habe ich mich
als Gynäkologe der Prävention, Diagonose, Therapie und Nachsorge dem Krankheitsbild der sog. "vesikovaginalen Fistel (VVF)" verschrieben, die in Burkina Faso wie fast überall in Westafrika und in vielen anderen Teilen der Welt die Entstehung weiterer medizinischer Tatbestände begünstigen und gerade das leibliche und seelische Wohlbefinden junger Frauen bestimmt, was sie daran hindert, was widerum die Teilnahme dieser Frauen an einem gelingenden individuellen und gemeinschaftlichen Leben ausschließt. 

Die vesikovaginale Fistel (VVF)

Ich lebte für zwei Jahre mit meiner Familie konstant in Dori im Sahel von Burkina Faso.

Dort arbeitete ich als Entwicklungshelfer für den Deutschen Entwicklungsdienst (DED): so war ich von Januar 1986 bis März 1988 Leiter des Bloc operatoire und der Maternité des Centre Hospitalier Régionale (CHR). Nachdem ich wieder nach Deutschland zurückgekehrt war, hielt ich weiterhin diesem armen Land die Treue und besuchte Dori regelmäßig im jährlichen Turnus, um dort die Dorfhebammen fortzubilden und Workshops zur Heilung der Geburtsfistel und zur Behandlung von bleibenden Geburtsverletzungen wie Blasenscheidenfisteln, Gebärmuttervorfall, ausgedehnten Dammverletzungen etc. anzubieten und um auch vor Ort in Dori dringende und komplizierte Fälle zu behandeln.
CHR Dori
© UNAPO | Centre Hospitalier Régionale (CHR) Dori, Burkina Faso

Mein Entschluss, Bauherr zu werden

Die Idee für ein "Hospital für Frauen" wurde zunehmend zu soetwas wie einem kritischen Erfolgsfaktor, denn ich sah wie meine Kolleginnen und Kollegen den fortschreitenden Verfall der Substanz! Dazu muß man sagen: viele Gesundheitseinrichtungen wurden in Entwicklungsländern allgemein gegen Ende der Kolonialzeit oder im ersten Jahrzehnt nach ihrer Unabhängigkeit gebaut. Die Bausubstanz ist oft fast 50 Jahre alt. Erneuerungs- und Erhaltungsaufwand bzw. Ersatzinvestitionen wurden lange Zeit nicht getätigt, was die Bereitstellung medizinischer Dienstleistungen zunehmend gefährdet.

Weit über 20 Jahre haben wir beispielsweise in der Region um Dori mit der Begrenztheit der dortigen Mittel operiert. Besonders die Bedrohungen der Gesundheit der jungen Frauen und ihrer menschlichen Entwicklung in einem ressourcenarmen Land, zeigten uns die Möglichkeiten und Grenzen unserer Arbeit immer wieder deutlich auf. Auch waren wir mit unseren Teams nicht in einer verschämten Nische tätig, sondern das Krankheitsbild war vielen Frauen in Burkina Faso lebhaft vor Augen. Eine weiterhin vernünftige Behandlung musste also unweigerlich an die Errichtung und den Betrieb einer neuen Fistelklinik geknüpft sein! 

Ein "Hospital für Frauen" zu bauen, war damit nur eine Frage der Zeit!
© DAFGG | Gesundheitszentrum Ouagadougou, Burkina Faso - Nordansicht
© DAFGG | Ein "Hospital für Frauen", Ouagadougou, Burkina Faso - Nordansicht

Ein "Hospital für Frauen"

Erste Konturen nahm das Projekt an, als mir der König der Mossi in Ouagadougou versprach, dass er mir Ouagadougou, der Hauptstadt des westafrikanischen Staates Burkina Faso, ein großes Grundstück zur Verfügung stellen würde, um hier das "Hospital für Frauen" von mir errichten zu lassen. Der König der Mossi hatte die Idee bis dato bereits bei der burkinischen Zentralregierung plaziert, so dass alles ganz schnell ging - und was als "Hospital" begann, mündete bald in ein kleines Gesundheitszentrum! Heute ist das Projekt "Ein Hospital für Frauen" kurz vor der Ziellinie. Der erste Bauabschnitt der Klinik ging trotz Weiterentwicklung in Teilen bereits sogar in Betrieb. Der zweite und dritte Bauabschnitt folgt nun aufgrund der jüngeren politischen Unruhen in Burkina Faso, zeitlich etwas verzögert.
© DAFGG | Gesundheitszentrum Ouagadougou, Burkina Faso - Hauptportal
© DAFGG | Ein "Hospital für Frauen", Ouagadougou, Burkina Faso - Hauptportal

Die Arbeiten im Secteur 22 des Stadtgebietes der Hauptstadt Ouagadougou kommen gut voran. Gleichzeitig nehmen sich Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen, Organisationen und Institutionen der Sache in Deutschland an, indem sie sich mit Geld oder Sachleistungen für das Projekt engagieren: so hat sich mit Mut, Anstand, Herz und Verstand rund um die "Deutsch-Afrikanische Freundschaftsgesellschaft in der Gynäkologie - Menschen für Frauen e.V." (DAFGG) als Trägerverein des Projekts "Ein Hospital für Frauen",  eine Arbeitsgemeinschaft gebildet:

  • Rotary Club Bruchsal-Bretten - Distrikt 1930
  • Apotheker für die Dritte Welt e.V. - Deutsches Komitee für UNAPO
  • Deutsch-Afrikanische-Freundschafts-Gesellschaft in der Gynäkologie (DAFGG)
    - Menschen für Frauen e.V.
  • FIDE AG e.V. - Frauengesundheit in der Entwicklungszusammenarbeit
In Burkina Faso müssen wir Wege gehen können, neue Ideen mit der Kultur und den Traditionen der Burkinabè zu verknüpfen. Ein "Hospital für Frauen" ist ein hervorragendes Beispiel für diese Verknüpfung. Unterstützt vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sind
wir jedoch auf die Geld- und Sachleistungen unserer Bürgerinnen und Bürger, von Unternehmen, Organisationen und Institutionen angewiesen und so danke ich all denjenigen, die sich, jeder auf seine Art, für die Verbesserung der Lebensumstände der Menschen in Burkina Faso einsetzen - und wir müssen uns vornehmen, dass wir uns trotz oder gerade wegen der Flüchtlingswanderungen in
Zukunft noch mehr als bisher mit Ehrgeiz, Glaubwürdigkeit und offenen Augen und Ohren für
eine gute Entwicklungspolitik einsetzen!

Jeder Einzelne kann mitmachen!

Ein bekanntes afrikanisches Sprichwort sagt: "Viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, werden das Antlitz dieser Welt verändern."

Beteiligen wir uns daran. Ich danke Ihnen!

 

Ihr
Jürgen Wacker

Erfahren Sie mehr:
Deutsch-Afrikanische-Freundschaftsgesellschaft in der Gynäkologie - Menschen für Frauen e.V.
Jürgen Wacker
UNAPO
Prof. Dr. med. Jürgen Wacker
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Höchste rotarische Auszeichnung weltweit für Prof. Dr. med. Jürgen Wacker
Award | Prof. Wacker
KIT-Forschungsstudie der UNAPO in Zusammenarbeit mit dem KIT
UNAPO Kooperation
Projekt "Gesundheitszentrum in Ouagadougou, Burkina Faso"
"Hospital für Frauen"
DAFGG
FIDE AG
ROTARY
Isaaks Schwestern
Jürgen Wacker
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