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Grußwort des Vorsitzenden des UNAPO Verwaltungsrates

Prof. Dr. med. Jürgen Wacker
Prof. Dr. Jürgen Wacker
Projektdirektor und Preisträger

Prof. Dr. med. Jürgen Wacker
ist Preisträger des "Service Above Self Award", der höchsten rotarischen Auszeichnung weltweit! Der Preis wurde ihm verliehen für das von ihm ins Leben gerufene, d. h. initiierte, geplante und bis heute angeführte Projekt "Ein Hospital für Frauen".

ROTARY INTERNATIONAL, Evanston, IL (USA)

Sehr geehrte Damen und Herren!

Sie sehen hier (rechts) die Frauenklinik des Fürst-Stirum-Klinikums Bruchsal mit Blick auf unseren historischen Gebäudekomplex. 

Die Fürst-Stirum-Klinik ist dabei anerkanntes "Akademisches Lehrkrankenhaus" der welt-
bekannten Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.

Ich selbst darf mich kurz vorstellen:

Ich bin Professor Dr. med. Jürgen Wacker, Chefarzt der Bruchsaler Frauenklinik sowie Ärztlicher Direktor der Kliniken im Landkreis Karlsruhe am Fürst-Stirum-Klinikum Bruchsal.
Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal
© UNAPO | Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal

Mein Fachgebiet ist die "Frauenheilkunde" und "Geburtshilfe", zwei von etwa 30 Teilgebieten der Humanmedizin. Im engeren Sinne befasse ich mich an der Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal mit den Erkrankungen der nicht schwangeren Frau und ebenso mit der Geburtshilfe. Zu meinen Aufgaben gehört die Behandlung von Erkrankungen und die entsprechend dazugehörigen Vorsorgeuntersuchungen.
Mein Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit
Lassen Sie mich beginnen mit einem Zitat unseres verehrten früheren Bundespräsidenten Horst Köhler, der einmal sagte:
 "Entwicklungspolitik ist eine Art Sozialpolitik im weltweiten Ausmaß: es geht darum, die Kluft zwischen reichen und armen Völkern zu beseitigen! Wenn uns das nicht gelingt, dann werden wir eines Tages möglicherweise eine Katastrophe erleben, dann wird es, wie Salvador de Madariaga einmal gesagt hat, zu einem sozialen Welt-Bürgerkrieg kommen müssen. [...] Wir treiben also Entwicklungspolitik nicht allein um der Menschen Willen, die in Not und Elend leben, sondern auch, um für uns und
unsere Kinder Sicherheit zu schaffen."
Prof. Dr. Horst Köhler
© Horst Köhler | Prof. Dr. Horst Köhler, Bundespräsident a.D.
Diese Definition von "Entwicklungspolitik" ist tatsächlich 46 Jahre alt und stammt von unserem ersten Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und späteren Bundespräsidenten, unserem liberalen Freund, Walter Scheel, der an dieser Stelle von Horst Köhler zitiert wurde.
Bundespräsident Walter Scheel empfängt US-Präsident Jimmy Charter
© Bundesarchiv | Bundespräsident Walter Scheel empfängt US-Präsident Jimmy Charter
Walter Scheel's Definition von Entwicklungspolitik ist heute aktueller denn je - und das sagt heute wiederum kein Geringerer als Horst Köhler:

"Deutschland wird es auf Dauer nur dann gut gehen, wenn es der Welt gut geht - sowohl dem Planeten als auch den Menschen, die auf ihm leben!"
Salvador de Madariaga (1886 - 1978)
Salvador de Madariaga (links) mit Antonio Jauregui
Zusammenfassend darf wohl konstatiert werden, dass der nationalliberale spanische Diplomat und Schriftsteller Salvador de Madariaga (1886 - 1978) womöglich Recht behalten sollte, denken wir nur an die Flüchtlingsströme nie zuvor gekannten Ausmasses, deren Ende noch gar nicht abzusehen ist!

Walter Scheel,
der liberale Vordenker für staatliche Programme, die die politische, wirtschaftliche und soziale Situation in Entwicklungsländern verbessern sollten, legte im Prinzip bereits im Jahr 1966 den Grundstein, um eine Flüchtlingswelle derartigen Ausmaßes zu verhindern, indem er - stets die Zukunft vor Augen - mit geeigneten Programmen für die Verringerung des Entwicklungsrückstands der Entwicklungs-
zu den Industrieländern eintrat.

Das Gebot Gesicht zu zeigen!

Dr. Yacouba Zanré (Ouagadougou), Prof. Dr. med. Jürgen Wacker (Bruchsal), Dr. Hailegiorgis Aytenfisu (Addis Abeba)
© DAFGG | Dr. Yacouba Zanré, Prof. Dr. med. Jürgen Wacker, Dr. Hailegiorgis Aytenfisu

Meine Damen und Herren,

ich war mir mit Dr. Yacouba Zanré (Ouagadougou) und Dr. Hailegiorgis Aytenfisu (Addis Abeba) einig: wir brauchen jenseits von Hilfsgeldern eine moderne Entwicklungszusammenarbeit anstelle der traditionellen Entwicklungshilfe! Eine solche Entwicklungszusammenarbeit müssen wir mit Mut, Anstand, Herz und Verstand anpacken, denn sie hat positive Rückwirkungen auch auf uns!

Eine moderne medizinische Entwicklungszusammenarbeit war für uns der wichtigste Baustein für eine gut funktionierende Gesellschaft, denn die "Gesundheit" der Menschen bestimmt das Tempo der Entwicklung der Wirtschaft eines Landes! Deshalb lohnen sich Investitionen in die Gesundheit der Menschen im Besonderen, denn die "Gesundheit" der Menschen hat unmittelbaren Einfluss auf das Wachstum und die Wohlfahrt einer Volkswirtschaft oder anders: "Gesunde" sind produktiver als "Kranke"!
"Gesundheit" ist der Zündfunke für Wohlstand und Wohlfahrt!
"Gesundheit" macht die Menschen in einem Land zunächst einmal "funktionsfähig", um im Anschluss das Starten einer prosperierenden Volkswirtschaft einzuleiten! 

Vor diesem Hintergrund habe ich mich als praktizierender Gynäkologe der Prävention, der Diagonose, der Therapie und der Nachsorge gleichermaßen verschrieben! Besonders wichtig ist mir dabei das leibliche und seelische Wohlbefinden junger Frauen und Kinder, weshalb ich mich in Burkina Faso vor allem dem Phänomen der "vesikovaginalen Fistel (VVF)" widme. 

Aller Anfang ist nicht leicht!

Ich komme in diesem Zusammenhang gerne auch auf die Anfänge meines Engagements in der Entwicklungszusammenarbeit zu sprechen, denn für zwei Jahre lebte ich bereits mit meiner Familie konstant sowohl in der Stadt als auch im Department Dori im Sahel von Burkina Faso.
Centre Hospitalier Régionale (CHR) in Dori, Burkina Faso
© UNAPO | Centre Hospitalier Régionale (CHR) in Dori, Burkina Faso

Erste Workshops in Dori

In Dori arbeitete ich als Entwicklungshelfer für den damaligen Deutschen Entwicklungsdienst (DED) und so war ich von Januar 1986 bis März 1988 für den DED als Leiter des Operationstraktes ("Bloc operatoire) sowie der Entbindungsstation ("Maternité") des Centre Hospitalier Régionale (CHR) tätig. Nachdem ich wieder nach Deutschland zurückgekehrt war, hielt ich weiterhin diesem armen Land die Treue und besuchte Dori regelmäßig im jährlichen Turnus, um dort ab dem Jahr 2000 Ärztinnen und Ärzte sowie Hebammen und Dorfhebammen fortzubilden.
Operation im Rahmen eines Workshops am CHR in Dori, Burkina Faso
© DAFGG | Operation im Rahmen eines Workshops am CHR in Dori, Burkina Faso

Die vesikovaginale Fistel (VVF)

Die Workshops zum Thema "vesikovaginale Fistel (VVF)" waren auf die Heilung der Geburtsfistel und die Behandlung von bleibenden Geburtsverletzungen wie Blasenscheidenfisteln, Gebärmuttervorfall, ausgedehnten Dammverletzungen etc. ausgelegt - immer mit dem Ziel, geeignete Mittel und Wege anzubieten, die es auch in Dori möglich machten sollten, dringende und auch oft sehr komplizierte Fälle vor Ort unter oft eher fragwürdigen als befriedigenden Bedingungen behandeln zu können.

Workshopangebote im Einzelnen:

  • Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Harninkontinez
  • Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Blasenscheidenfistel
  • Maßnahmen gegen die Beschneidung der Mädchen und jungen Frauen
  • etc.

Mein Entschluss, Bauherr zu werden!

© DAFGG | Gesundheitszentrum Ouagadougou, Burkina Faso - Blick auf das Fortbildungszentrum
© DAFGG | Ein "Hospital für Frauen", Ouagadougou, Burkina Faso - Blick auf das Fortbildungszentrum
Die Idee für ein "Hospital für Frauen" wurde zunehmend soetwas wie ein strategischer Erfolgsfaktor, denn wir sahen durchaus den fortschreitenden Verfall der Bausubstanz im CHR! Dazu muß man sagen: viele Gesundheitseinrichtungen wurden in Entwicklungsländern allgemein bereits gegen Ende der Kolonialzeit oder zumindest im ersten Jahrzehnt nach ihrer Unabhängigkeit gebaut. Die Bausubstanz ist daher oft älter als 50 Jahre. Dazu kommt, dass Erneuerungs- und Erhaltungsaufwand bzw. Ersatzinvestitionen wurden seit langem nicht getätigt wurde, was die Bereitstellung medizinischer Dienstleistungen zunehmend behindert.

"Obstetrics unplugged"!

"Obstetrics unplugged" von Prof. Dr. med. Jürgen Wacker et al.
"Obstetrics unplugged", Jürgen Wacker et al.
Weit über 20 Jahre haben wir in der Region um Dori mit der Begrenztheit der dortigen Mittel operiert.

Darüber habe ich nicht nur ein Buch geschrieben!

Besonders die Bedrohungen der Gesundheit der jungen Frauen und ihrer Kinder in einem ressourcenarmen Land riefen uns zwar immer wieder auf den Plan. Deutlich wurden aber auch immer häufiger die Grenzen unserer Arbeit!

Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis wir zu dem Entschluss kamen, so rasch wie möglich eine ganz neue und dem Anspruch von Medizin und Pharmazie zeitgemäße Klinik zu bauen!

Ein Arzt! Ein König!

© DAFGG | Gesundheitszentrum Ouagadougou, Burkina Faso - Nordansicht
© DAFGG | Ein "Hospital für Frauen", Ouagadougou, Burkina Faso - Nordansicht
Das Projekt erhielt richtig Schwung, als mir der König der Mossi in Ouagadougou versprach, dass er mir in Ouagadougou, der Hauptstadt des westafrikanischen Staates Burkina Faso, ein großes Grundstück zur Verfügung stellen werde, um hier eine neue Klinik zu errichten. Der König der Mossi hatte die Idee bis dato bereits bei der burkinischen Zentralregierung plaziert, und so vorgesort, dass alles ganz schnell ging und wir eigentlich das Angebot nur noch annehmen konnten! 

Doch, die kleine Klinik mündete bald in ein kleines Gesundheitszentrum, dem wir zwar den Namen 
"Ein Hospital für Frauen" gaben, das aber in unseren Planungen doch schon bald eher einem Campus ähnelte als nur einem einzigen Gebäude! 
© DAFGG | Gesundheitszentrum Ouagadougou, Burkina Faso - Hauptportal
© DAFGG | Ein "Hospital für Frauen", Ouagadougou, Burkina Faso - Hauptportal

Der Bau in Ouaga geht voran!

Die Arbeiten am Stadtrand der Hauptstadt Ouagadougou kommen - mit kleinen Ausnahmen - sehr gut voran. Gleichzeitig engagieren sich immer mehr Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen, Organisationen und Institutionen für das Projekt, entweder indem sie Geld sammeln oder mit Sachleistungen helfen!

Mit Mut, Anstand, Herz und Verstand hat sich von Anfang an rund um meine Person die "Deutsch-Afrikanische Freundschaftsgesellschaft in der Gynäkologie - Menschen für Frauen e.V." (DAFGG) gegründet, die als Trägerverein des Projekts "Ein Hospital für Frauen", eingebettet ist in eine Projektgemeinschaft aus:

  • Rotary Club Bruchsal-Bretten - Distrikt 1930
  • Apotheker für die Dritte Welt e.V. - Deutsches Komitee für UNAPO
  • Deutsch-Afrikanische-Freundschafts-Gesellschaft in der Gynäkologie (DAFGG)
    - Menschen für Frauen e.V.
  • FIDE AG e.V. - Frauengesundheit in der Entwicklungszusammenarbeit

Unsere Philosophie

In Burkina Faso wollen wir neue Wege gehen und neue Ideen mit der Kultur und den Traditionen der Burkinabé verknüpfen. Unterstützt vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) möchten wir mit unserem Gesundheitszentrum eine signifikante Verbesserung der Lebensumstände der Menschen in Burkina Faso erreichen! Nicht zuletzt soll wird unser Projekt auch dazu beitragen, dass es erst gar nicht zu einer Zuwanderung der Menschen aus Burkina Faso nach Europa kommen wird, denn die Burkinabé lieben ihr Land und sie wollen uns mit Ehrgeiz, Glaubwürdigkeit und offenen Augen und Ohren für sich und ihr Land begeistern!

Lassen Sie sich anstecken!

Ein bekanntes afrikanisches Sprichwort sagt: "Viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, werden das Antlitz dieser Welt verändern."

Beteiligen Sie sich wie wir daran. Ich danke Ihnen!

 

Ihr
Jürgen Wacker

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KIT-Forschungsstudie der UNAPO in Zusammenarbeit mit dem KIT
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